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Radfahren

Seattle liegt ja in den USA und mit den USA verbinden sich Begriffe wie Schnellfressläden, Puritaner, dicke Schlitten, weite Weiten (sowohl menschlich wie auch landschaftlich), Highways, Wolkenkratzer, Haus in der Vorstadt....

Aber Fahrrad???

Ich weiss ja nicht, wie es in anderen Städten ist, aber Seattle hat für eine amerikanische Stadt recht viele Radfahrer. Und damit meine ich nicht diese aufgemotzten, in hautengen und buntbedruckten Nylons auf 3000-Dollar-Maschinen rennfahrenden Freizeithelden. Hier fahren manche Leute wirklich mit dem Rad zur Arbeit! Naja, sooo viele sind es nicht gerade, aber sie sind ein gewohnter Anblick im Straßenverkehr.

Aber der Rest der Bevölkerung ist in Sachen Autowahn sogar einer deutschen Stadt um Längen voraus. Seattle hat die höflichsten und unsichersten Autofahrer die ich je erlebt habe. Und die Fahrzeuge werden wieder größer. Nicht mehr in die Länge, aber in die Höhe. Kann ich gar nicht mehr drübergucken, und das ist schlecht, denn das war einer meiner wenigen Vorteile im Straßenverkehr.

Warum ich trotzdem mit dem Fahrrad fahre und immer noch kein Auto habe: Das Auto hat unsere Welt nachhaltig verändert, und es tut es heute immer noch.

Hier folgt eine wahllos aufgelistete Zusammenstellung:

  • Kinder spielen nicht mehr auf der Straße, wie denn auch, ist ja alles zugeparkt.
  • Kinder werden überall hin gefahren und verlernen, was es heißt zu laufen (und nach einem Kilometer quängeln sie: "Mami, Mami, ist es noch weit?").
  • Vorstädte wuchern und mit ihnen ihre schrecklich gelangweilten Einwohner.
  • Einkaufszentren sprießen auf der grünen Wiese und es veröden die Innenstädte.
  • Das Ozonloch ist schon so groß, dass in Australien die Strahlenbelastung ein fester Bestandteil der Wettervorhersage ist.
  • Auch wenn die Werbung Autos zeigt, die im Wald stehen: Sie sind giftig, in der Herstellung und im Gebrauch. Letzteres beinhaltet nicht nur die Abgase, sondern auch die Herstellung des Asphaltes, den man zum Fahren braucht.
  • Deutschland ist zwar nur halb so schlimm wie die USA, ist aber doch einer der größten Umweltünder der Welt (pro Kopf natürlich).
  • Der Weg zur Arbeit ist selten entspannend.
  • Und genauso wenig der Weg nach Hause.
  • Länder mit großer Abhängikeit vom Auto brauchen viel Öl und sind daher auch eher bereit, eine aggressive Außenpolitik zu betreiben.
  • Der Tod fährt mit im Straßenverkehr. Menschen ohne Panzerung haben sich schon lange aus dem Teil des öffentlichen Raumes zurückgezogen, den die Menschen in Anspruch nehmen, die weitaus mehr Platz brauchen als ihre Wenigkeit eigentlich bräuchte.
  • Parkplätze sind eine der hervorstechendsten Merkmale moderner Städte, und zwar für jedes Auto zwei: Einer da, wo es herkommt, und einer da, wo es hinfährt und davon nie genug. Entgegen allgemeiner Annahme sind Autos Stehzeuge, weil sie die allermeiste Zeit irgendwo parken und dabei so aussehen, wie sie sind: ein Haufen Metall und Plastik mit vier Rädern dran.
  • Häuser, wo die Garageneinfahrt die Haustür ist. Das ist sieht nicht nur hässlich aus, es ist auch nicht sehr einladend. Beschränkt sich zum Glück noch auf die USA.
  • Verfügbarkeit von mannigfaltigen landwirtschaftlichen Produkten überall auf der Welt und in kürzester Zeit. Das mag für viele Menschen ein Segen sein, es hat aber leider auch dazu geführt, dass der Bauer seine eigene Milch im Supermarkt kaufen muss.
  • Die Autoindustrie ist ein wichtiger Bestandteil unserer Wirtschaft. So wichtig, dass manche sogar mit Gasmaske zur Arbeit fahren würden, bevor sie diese verlieren.
  • Erschließung weit abgelegener Gegenden. Waren sie früher noch relativ unberührt, so werden sie heute vom Touristen totgetrampelt. Zum Beispiel die Alpen.
  • Ungezwungene Besuche bei Freunden, die weit draußen wohnen, sind heute gang und gäbe. Ohne Auto würden sie allerdings vielleicht nicht so weit draußen wohnen und wären dann besser erreichbar.
  • Moderne Menschen vereinsamen. Wenn es dafür auch viele Gründe gibt, so ist klar, dass man aus dem Auto heraus keine Kontakte knüpfen kann – es sei denn es kracht.


Und das Letzte:

Liebe autofahrenden Mitmenschen, wenn ihr eure vier Buchstaben aus eigener Kraft nicht bewegen könnt und ihr dabei die Entsorgung eures Abfalls über meine Lunge betreibt, wenn ihr schon mit euren 20 Zentnern die Straßen malträtiert, für die auch ich Steuern bezahlt habe,

dann habt doch wenigstens den Anstand zu mehr Abstand. Und nicht zu hastig bitte, denn ihr habt es ja auch nicht gern, wenn ihr mit 80 gemächlich auf der Landstraße im Kabrio fahrend von einem Tieflader mit 150 Sachen überholt werdet.

Ich weiss, es gibt Rowdies im Straßenverkehr, unter den Rad- Auto- und-was-weiß-ich-noch-Fahrern. Doch du kriegst in deinem rundumgesicherten Minipanzer höchstens einen Schreck, wenn ich mich erdreiste zur Hauptverkehrszeit plötzlich wie aus dem Nichts aufzutauchen. Ich allerdings muss jeden Tag damit rechnen, abends nicht mehr nach Hause zu kommen.

Und noch ein Wort zur Beleuchtung: Klar, es gibt sie, die unbeleuchteten radfahrenden Vollidioten, die glauben, nur weil sie dich sehen, siehst du sie auch. Wie oft schon wollte ich ihnen in den Hintern treten. Aber selbst ein helles Fahrradlicht ist eine Funzel im Vergleich zu deiner 100 PS Lichtanlage.

Faire la bicyclette

[à traduire en français]



Bicycling

Seattle lies in the USA. For a European, America associates with fast food, puritans, big cars, wide landscapes, think big, highways, sky scrapers, houses in the suburbs...

But bicyles???

I don't know about other cities but Seattle has an astonishingly high number of bicyclists – compared to a typical American city. And I do not mean those leasure desperados in their colourful lycra sports suits riding on ultra slim $3000 machines. There are folks here who actually ride their bikes to work! Well, not that many but they are a sizable factor in everyday traffic.

The rest of the population, however, endulges in much more car craziness than even a German citizen. Seattle sees the friendliest and the most insecure drivers that I have ever encountered. And the vehicles are becoming bigger and bigger – gaining in height what they have lost in width during the last decades. I have difficulties looking over them. And this is bad, because it is one of my few advantages in traffic.

In spite of all this, I prefer to ride a bike for several reasons:

  • Nature has given me two legs, so I use them.
  • It has an undisputable effect on my waistline.
  • I am faster than the bus.
  • I am usually faster than a car (measured from door to door) on distances below 5 km (3 miles).
  • I don't need a parking space.
  • Gives me the feeling of having done something when I come home in the evenings.
  • It is fun.
  • And when it rains? I get wet.


The automobile left its undeniable footprint on our world, and it still does today. Following is a random compilation:

  • Children do no longer play in the streets. How could they, with all the cars parking there.
  • Children are driven in cars to almost everywhere, thereby forgetting how to walk. And after half a mile of walking they compain: "Mom, do we have to walk any further?"
  • Suburbs spread like cancers and with them their terribly bored inhabitants.
  • Shopping centres sprout on farmland and the downtowns dry out.
  • The ozone layer is damaged for years to come. And in Australia, the weather forecast includes the time that you can spend in the sun without burning your skin.
  • In spite of adverts showing cars in nature settings: they are poisonous, both in production and use. The latter refers not only to the exhaus pipes, but also to the production of the asphalt without which cars could not run.
  • German usage of our limited resources is only half of that of the US but it still is the worlds second biggest environmental sinner.
  • Driving to work is rarely ever relaxing.
  • Neither is the drive home.
  • Countries with great dependance on cars need a lot of oil. Hence their willingness to follow a more agressive pace in foreign politics.
  • Death is a constant companion in traffic. Unfortunately, the victims are often those who do not drive.
  • Parking places are the most prevalent feature of cities viewed from above. Two for every car: one for where it comes from and one for where it goes to, and there is never enough. In contrast to common belief, cars are not rolling but standing most of their times. And they are not actually pretty to look at.
  • Houses with a garage door as an entrance. This is not only ugly it is also not very inviting. Hopefully, this architectural behaviour will never make it past the US.
  • Availability of a multitude of farm products all over the country in almost no time. This seems to be a blessing for most people but it has lead to farmers who have to go to the supermarket to buy their own milk.
  • The car industry is a very important factor in our economy. This importance is reflected by the fact that some of us would rather use gas masks on their way to work than not having any work.
  • Urbanisation of formerly untouched remote areas, which are now trampled to death by tourists. The Alps are a well known example.
  • We are used to make brief visits to friends who live far out. If it were not for cars, they might not live so far out and we would have an easier time visiting them on foot.
  • Modern human beings become more lonely. There are of course many reasons for this but it is clear that it is impossible to contact people from within a car – unless you bump into another.


And a final word:

My dear car driving friends, refusing to use your own energy to move your puny bodies, and thereby disposing of your gaseous waste through my lungs: if you really feel the need to mistreat the roads with your 2000 pounds, roads that I have paid my taxes for, too,

then please be so kind as to keep your distance from me. And have no fear to slow down a little. You would not want to be driving along the highway in a convertible at 50 mph and suddenly be passed by a 16-tonne truck speeding at 80.

I know of many hooligans in traffic, be they in a car, on a bicycle or whatever. And you, sitting in your shielded mini-tank, might be scared when I appear, suddenly, from out of nowhere, during the commute hours. Remember that at the same time when you push your fat exhaust producing car past me, I could lose my life.

And a last word on lights: There are those bicycling light-less imbeciles who think that becasue they see you, you might also see them. How often have I wanted to kick their behinds. But how strong must a bicycle light be to compete with your 100 horse power light generator?